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Wie soll ich Gott lieben?
Du sollst Gott lieben ungeachtet seines Liebenswertseins, das heißt:
nicht deshalb, weil er liebenswert wäre; denn Gott ist nicht liebenswert:
Er ist über alle Liebe und Liebenswürdigkeit erhaben.
Wie denn soll ich Gott lieben?
Du sollst Gott ungeistig lieben, das heißt so, dass deine Seele
ungeistig sei und entblößt aller Geistigkeit; denn solange deine Seele
geistförmig ist, solange hat sie Bilder. Solange sie Bilder hat, solange
hat sie Vermittelndes; solange sie Vermittelndes hat, solange hat sie
nicht Einheit noch Einfachheit. Solange sie nicht Einfachheit hat,
solange hat sie Gott noch nie recht geliebt; denn recht zu lieben
hängt an der Einhelligkeit. Daher soll deine Seele allen Geistes bar
sein, soll geistlos dastehen. Denn, liebst du Gott, wie er Gott, wie
er Geist, wie er Person und wie er Bild ist, – das alles muss weg.
Wie denn aber soll ich ihn lieben?
Du sollst ihn lieben, wie er ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine
Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie er ein lauteres, reines,
klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem
Einen sollst du ewig versinken vom Etwas zum Nichts.

 

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